Die echten Kosten von Lebensmitteln bilanzieren – ein neuer Ansatz für eine faire Welt

Dr. Gerhard Rott beim Vortrag zum True Cost-Ansatz
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Den fairen Handel unterstützen, dieses zentrale Anliegen teilte Dr. Gerhard Rott, aus Eichstätt zum Vortrag nach Wendelstein gekommen, voll und ganz. Er äußerte sogar die Überzeugung, dass biologisch erzeugte und fair gehandelte Waren für die Allgemeinheit die real günstigeren Produkte sind. Dies sei allerdings – noch – nicht sichtbar, so Dr. Rott, denn die Kunden und Kundinnen zahlen einen teureren Preis als für konventionelle Waren.
Ein neuer Ansatz kann hier für mehr Gerechtigkeit sorgen: der so genannte „True Cost“-Ansatz. Dr. Gerhard Rott, Leiter des Referats Weltkirche des Bistums Eichstätt, hat sich intensiv mit diesem neuen Rechenmodell beschäftigt und stellte den Ansatz am Freitagabend auf Einladung der EINE WELTenWende e.V. und der KAB erstmals im Nürnberger Raum vor. Auf der Biofach 2022 soll die „True-Cost“-Kampagne einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.
Der Referent zeigte Beispiele, wie Lebensmittel auf der Welt sozial verträglich produziert werden können. Im Gegensatz dazu entstehen durch umweltschädliche Produktion von konventionellen Lebensmitteln Kosten für die Allgemeinheit, die der Hersteller nicht zahlt. Vergiftung der Natur durch Pestizide, CO2-Emissionen, Verunreinigungen des Wassers, Rodung des Regenwaldes - all diese Folgen müssen letztlich von der Allgemeinheit bezahlt werden, nicht vom Produzenten.
Eine Alternative liegt für Dr. Rott nicht nur darin, dass einzelne Kunden freiwillig einen fairen Preis zahlen. Die “True Cost”-Kampagne fordert vielmehr ein politisches Um-denken: Bei der Lebensmittelproduktion müsse das Verursacherprinzip gelten. Die wahren Kosten von Lebensmitteln müssten also in die Bilanzen und die Preiskalkulation ein-fließen. Ein Bündnis aus GEPA, misereor, aber auch der Firma HiPP und anderen Wirtschaftspartnern macht sich für dieses Ziel stark. Umwelt-, Sozial-, und Gesundheitsauswirkungen sollen künftig für Unter-nehmen der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette in Deutschland verpflichtend zu bilanzieren sein. Zu billige bzw. verfälschende Lebensmittelprei-se lenken, so Dr. Rott, den Markt in eine falsche Richtung. Hier brauche es gesetzliche Re-gelungen hin zu mehr globaler Gerechtigkeit.
Dr. Rott stellte sich nach seinem Vortrag den interessierten Fragen der in der Kirche St. Nikolaus versammelten Zuhörerschaft. Engagiert knüpfte er an die Impulse aus der Andacht an, die das Team der EINEN WELT vor dem Vortrag gestaltet hatte. Das Sabbatgebot, der siebte Tag als Ruhetag für alle, auch für „Knechte und Mägde“, stand im Mittelpunkt dieser politischen Andacht zur fairen Woche. Für Dr. Rott ein klarer Zusammenhang zur „True-Cost“-Problematik: „Für uns werden die Lebensmittel zwar auf diese Weise teurer, aber die ca. 38 Sklavenarbeiter/innen, die für jeden und jede von uns arbeiten, werden ein besseres Leben haben.“        

Annegret Langenhorst